China–Mao, Hangzhou und Moganshan
Heute war unser letzter Tag in Beijing. Wenn es Conny noch richtig schlecht gegangen wäre, hätten wir hier noch zwei weitere Nächte verbracht und hätten unsere Reisegruppe dann in Shanghai wieder angetroffen, aber so können wir mit ihnen gemeinsam noch einen Zwischenstopp in Hangzhou einlegen. Der Nachtzug geht heute Abend um 17 Uhr und Conny fühlt sich auch in der Lage den Trip mitzumachen, also auschecken um 12 und vorher noch ins Mausoleum von Chairman Mao, so nennt man hier Mao Zedong.

Da gestern hier auf dem Tianamen Square wohl ein Unfall gewesen ist, waren die Sicherheitsvorkehrungen sehr streng und wir mussten erstmal durch drei Sicherheitsschleusen. Kameras, Handies, Feuerzeuge und aller möglicher Kram wurde einkassiert, bevor wir das Mausoleum betreten durften. Vor dem Eingang konnte man noch Blumen kaufen, was auch etwa 70% der Chinesen gemacht haben. Drinnen war absolute Ruhe. Das ganze fühlte sich ein bisschen wie eine echte Beerdigung an, obwohl Mao dort ja schon seit den 70er Jahren liegt.

Die Verehrung von Mao Zedong nimmt hier in China teils schon krasse Züge an. Hier hängen an vielen Stellen Bilder von ihm, man bekommt T-Shirts mit ihm, sein Mausoleum steht mitten in Beijing und an seinem Sarg haben auch Jahrzehnte nach seinem Tod noch Leute geweint. Ich fand den Leichnam weniger spannend, er sah ein bisschen nach Wachs aus und war bis zum Hals mit einer China-Fahne zugedeckt.
Wer war Mao überhaupt? Er hat China zwar nicht vereint, das hat einer vor ihm gemacht, aber er hat hier den Kommunismus eingeführt und aus China die People’s Republic of China gemacht. Er hat die Bevölkerung zudem zum Kinderkriegen aufgerufen und in seiner Amtszeit ist die Bevölkerung von 500 Mio. auf etwa 800 Mio. gestiegen. Auch eine Folge des damaligen Strukturwandels in China vom Agrarstaat zur Industrienation. Wikipedia lesen, Leute! Total spannend!

Um 17 Uhr ging es dann in den Night Train. Um 22 Uhr ist in den Zügen immer Schlafenszeit, dann geht auch das Licht aus. Bis dahin wird in der Regel einiges an Gerstensaft und Brandy vernichtet und viel gequatscht. So auch dieses mal. Ich mag Nachtzugfahrten inzwischen ganz gerne und kann auch in den Betten ganz gut schlafen. 15 Stunden dauerte unsere Fahrt, das ist auch echt annehmbar. Man erinnere sich an unseren ersten Nachtzug, der ging 25 Stunden.

Angekommen in Hangzhou ging es erstmal Dumplings frühstücken und dann ein bisschen durch die Innenstadt. Conny war noch nicht nach Spazierengehen zumute und sie blieb mit Amy aus England im Bus, der sie dann direkt zu unserem Mittagessen-Lokal brachte. Ich bin aber durch die Innenstadt gegangen, habe aber nur viel Ramsch gesehen und nichts gekauft.

Am Interessantesten war ein privates Museum in das wir kurz reingeschaut haben, dort gab es mehrere liegende Buddhas mit diversen kleinen Kindern drauf. Was sich genau dahinter verbirgt, konnte mir leider keiner sagen. Ich habe außerdem herausgefunden, dass ich im Jahr der Maus geboren bin. Ich dachte immer es wäre das Jahr des Schweins oder der Ratte gewesen. Maus gefällt mir besser.

Ein seltsames Kunstwerk hat Ben da noch entdeckt und direkt in den Arm genommen. Ihr könnt euch selber überlegen, was das denn darstellen soll. Nach der Innenstadt ging es direkt weiter zum West Lake. Hangzhou ist eine der beliebtesten Erholungsstädte in China und der Westlake ist so ziemlich der beliebteste Grünstreifen dort. Der Lake ansich ist wohl 12km lang und rings herum ist Erholungsgebiet.

Der Park durch den wir geschlendert sind ist in der Tat sehr schön und viele Chinesen nutzen die Chance, hier ein wenig unversmoggte Luft zu atmen und die Seele baumeln zu lassen.

Viele tun dies übrigens indem sie mit traditionellen chinesischen Instrumenten Musik machen, schief dazu singen oder Chachacha tanzen. Es gibt auch die Möglichkeit mit Booten über den See zu dengeln, das haben wir aber mal nicht gemacht, wir mussten ja rechtzeitig zum Mittagessen.

Stattdessen gab es noch ein kleines Gruppenfoto vor dem See. Ich bin vorne links direkt neben unserem Guide, Cristel.

Rund um den See gibt es diverse Skulpturen und kleine Pavillions, der Stress der chinesischen Straßen oder die vielen Baustellen sind von hier aus wirklich nicht zu erkennen.

Wir sind von dort dann weiter zum Restaurant “Grandma’s Kitchen”, wo wir gemeinsam Mittagessen. Conny und Amy waren schon da und haben auf uns gewartet. Angeblich ist es das populärste Restaurant Hangzhous, die Warteschlange am Eingang würde dafür sprechen, die Preise nicht, wir haben etwa 3€ pro Person für ein krass großes Mahl bezahlt.

Das waren die ersten Gerichte die auf unserem Tisch ankamen. Unten ist mein Kung Pao Chicken, links in den Orangenhälften ist mashed sweet potato, rechts sind irgendwo noch Bohnen, in der Mitte Algen. Es war alles sehr sehr lecker. Mein Kung Pao war nur etwas scharf, ich habe meine Zunge wieder für ein paar Minuten nicht gespürt, das gibt bestimmt wieder Spaß in der Porzellanabteilung.

Von dort ging es dann mit dem Bus nach Moganshan, was übersetzt wohl Mount Mogan heißt. Also ab in die Wildnis. Hier wird viel Bambus angebaut und hier gibt es ein paar Berge, alles sehr idyllisch. Wir sind hier in einer Lodge einquartiert, die für unseren Geschmack echt sehr luxuriös ist. Ein bisschen wie eine Waldhütte. Sehr cool. Morgen geht es von hier aus dann Wandern und vielleicht auch in einer Lagune schwimmen, wenn das Wetter mitspielt, jetzt gerade regnet es nämlich. Das dürfte jetzt der zweite oder dritte Regen sein, seit wir Deutschland verlassen haben. Nach dem Wandern geht es dann morgen nach Shanghai und dort gibt es einen Pub Crawl. An Halloween. Das wird ein Spaß!

Hier habe ich mal unser Guidebook fotografiert, da ist nämlich ein grober Plan drin, wie das hier in China abläuft, hätte ich auch mal eher posten können. Der Plan hat zwar geografisch einige haarsträubende Fehler, aber er verdeutlicht unsere Rundtour schon ganz gut.

Wer mir die beiden offensichtlichsten Fehler nennen kann, bekommt ein Souvenir aus Hong Kong 