Köthi vs. USA 2011 – Day 16
Gut ausgeschlafen wachen wir in unserem renovierten-prototyp-luxus-zimmer im Yosemite auf und machen als erstes erstmal den großen Flachbildfernseher an. Das letzte mal Nachrichten-gucken liegt schon eine weile zurück und so ist es eher Zufall, dass wir vom japanischen Beben mitkriegen. So schrecklich das Beben auch ist, muss man die amerikanische Nachrichtenaufbereitung schon ein wenig loben. Klar ist sie sehr reißerisch und dramatisiert Dinge oftmals aber sie ist brandaktuell, alles wird regelmäßig zusammengefasst, das laufende Programm wird sofort unterbrochen und sobald Obama was sagt, wird er live geschaltet. Ein krasser Gegensatz zu ARD und ZDF. Zu diesem Zeitpunkt war auch noch nicht klar, dass die USA nichts abbekommen würden von dem Tsunami, so dass wir auch relativ froh sind, im Landesinnern zu sein, in wenigen Tagen sind wir ja wieder an der Küste.

Da wir etwas länger Nachrichten geschaut haben, kommen wir erst etwas später los, ausgecheckt sind wir dann etwa um 10 Uhr. Wir haben ja leider nur eine Nacht im komfortablen Zimmer und ziehen am Abend in eine neue Unterkunft. Wir haben beschlossen, mal zu den “upper Yosemite Falls” zu wandern heute. Das sind etwas über 2000 Höhenmeter, verspricht aber eine gute Aussicht. Der unmotivierte Ranger im Visitors-Center hatte uns diese Tour empfohlen.
Bevor es richtig losgeht waren wir mit den einfachsten Dingen schon ein wenig überfordert: Wo geht der Weg eigentlich los? Da die Hiking-Trails relativ rar ausgeschildert sind und in der Regel wohl selbsterklärend sein sollen, brauchen wir eine Weile und diverse Blicke in die Karte, die wir dann doch noch zu Rate ziehen, bis wir den Startpunkt finden. Los gethts mit diversen Serpentinen und damit direkt auch mal diversen Höhenmetern. Conny, inzwischen mit meiner Erkältung gesegnet, kommt nicht ganz so flott voran, wir arbeiten uns aber aufwärts.

Bereits nach einem Bruchteil des Weges werden wir mit tollen Aussichten auf das Yosemite Valley belohnt. Direkt auch die Motivation weiter zu klettern. Wir machen auf dem Weg relativ viele Pausen und somit lernen wir sehr viele Leute kennen, die an uns vorbeiziehen. Man kann glaube ich ohne Übertreibung sagen: 70% sind Deutsche.

Wir kommen auch an kleinen Flüsschen und Wasserfällen vorbei, wo ich unsere Wasserflasche erstmal mit frischem Bergwasser befülle und anschließend direkt mal einen großen Schluck daraus trinke. Fernsehreif, oder? Das Wasser war übrigens schweinekalt und schmeckte am nächsten Tag nach Gulli, das wusste ich da aber noch nicht…

Je höher wir kamen,desto besser wurde der Ausblick. Auf etwa 2/3 der Strecke befand sich Columbia Rock, Ein Fels von dem man eine grandiose Aussicht über das Tal hat. Ich glaube die Fotos sind knapp über dem Columbia Rock entstanden, den eigentlichen Rock haben wir uns erst auf dem Rückweg angeschaut. Der Rock war übrigens auch der einzige Teil des gesamten Weges, der ein Geländer hatte.

Je weiter wir kamen, desto lauter wurde das Rauschen, was uns verriet, dass wir uns den Yosemite Falls nähern. Allerdings erstmal den Lower Yosemite Falls, von dort sind es nochmal einige Hundert Höhenmeter bis zur Spitze.

Auf dem linken Bild sieht man ordentlich viel Weiß am Fusse des Wasserfalls, das ist tatsächlich Schnee. Wir haben stetig Theorien gestrickt, warum gerade Dort so viel Schnee liegt, die Antwort kam uns dann, als wir uns dem Wasserfall näherten: Es ist dort einfach schweinekalt. Rings um den ganzen Wasserfall liegt überall massenhaft schnee und es ist deutlich kühler als auf dem Rest des Weges. Die Schneemassen sind es dann auch, die uns zwingen unsere Tour vorzeitig abzubrechen. Der Ein oder Andere kam uns bereits wieder entgegen und empfahl uns auf Nachfrage vom Weitergehen abzusehen. Auf dem rechten Foto sieht man hinter Conny, wie die Schneemassen sich auf dem Wanderweg verteilen.

Also können wir zuletzt noch die Aussicht aufs Yosemite Valley genießen, die von hier oben natürlich grandios ist, und begeben uns dann nach etwa 2 Stunden Aufstieg wieder auf den Rückweg. Dort kamen wir dann auch wieder am Columbia Rock vorbei. Auf dem linken Bild sieht man mich dann mal auf dem Columbia Rock, mit dem bereits erwähnten Geländer. Conny hat dort erstmal Titanic nachgespielt und sich auf die untersten Sprossen gestellt, mir ist dabei fast das Herz stehengeblieben, denn direkt nach dem Geländer geht es steil bergab. Uaahhhh! 
Den Abstieg haben wir deutlich schneller hinbekommen als den Aufstieg, nach etwa 1,5 Stunden waren wir wieder ganz unten. Dort angekommen sind wir direkt auf den nächsten Wanderweg eingebogen, der mindestens ebenso schlecht ausgeschildert ist wie der erste und außerdem an der Straße entlang ging und ziemlich unspektakulär war. Also brachen wir die Tour an der Stelle mal ab, auch weil Conny nach einer Pause lechzte. Also sind wir in Richtung Valley gegangen, wo auch Tische in der Sonne waren, wo wir einmal pausieren und Cookies essen konnten.
Ach ja, auf dem Weg zum Cookies-Essen ist uns ein Reh über den Weg gelaufen. So ungefährt 3 Meter vor uns. Wir haben uns dann erstmal auf einen Felsen gesetzt und das Reh bei der Mahlzeit beobachtet. Es hat sich da auch garnicht groß dran gestört, dass wir da waren und ging irgendwann auch etwa 1-2 Meter an uns vorbei auf der Suche nach mehr Futter. Man würde es ja am liebsten Füttern, soll man aber nicht. Auch nicht Rehe und auch nicht das Conny-Tier.
Nach unserer Pause haben wir beschlossen, jetzt noch die Yosemite Falls von unten zu betrachten, der Weg ist etwa 2 Meilen vom Valley aus und auch nicht sonderlich steil. Als Abschgluss des Tages war das dann schon okay, wir waren auch beide ein wenig geschlaucht von den ganzen Höhenmetern.

Abends gab es dann im Pizza Parlor des Curry-Village unser Abendessen: Lecker Pizza mit Mushrooms. Laut Conny, die beste Pizza, die sie je gegessen hat, mag aber auch dran liegen, dass es bei uns am Vortag keine warme Mahlzeit gab. Das Curry-Village ist der Ort unserer letzten Yosemite-Übernachtung. Eine Ansammlung von Zelt-Häuschen, in denen man übernachten kann. Auch wir haben so ein Zelt für eine Nacht was Gott sei Dank beheizt wird.

Sieht auf dem Bild eigentlich ganz gemütlich aus, war auch garnicht so schlecht, wenn man nicht grade eine panische Conny dabei hat, die ungeheure Angst vor einem Bären hat, der ihr den Babybel wegfuttert. Die Vorsichtsmaßnahmen sind schon krass was Bären angeht: Überall muss man bestätigen, dass man “Bear Aware” ist und man wird mehrfach daran erinnert, alle Lebensmittel aus dem Auto und dem Zelt zu nehmen und sie in den “Bear Proofed Locker” zu packen. Haben wir dann auch gemacht. Kam auch kein Bär. Gute Nacht.